Aufgeschnappt: Europa, EU und Syrien

Die Autokraten dieser Welt haben gut lachen: Hat St. Petersburg doch gezeigt, dass die USA und Europa nur wenig Ehrgeiz besitzen, Weltgeschichte zu prägen und Ordnungspolitik zu betreiben. (…) Klar, das Regime in Damaskus solle für den Chemiewaffeneinsatz bestraft werden, heißt es. Aber – natürlich – würde Deutschland niemals bei so etwas mitmachen. Die Drecksarbeit sollen, wie üblich, andere übernehmen – die sich dann bei der erstbesten Gelegenheit wieder moralinsaure Vorhaltungen aus Deutschland machen lassen müssen. Denn wer handelt, macht dabei zuweilen eben auch mal Fehler. Eine Gefahr, in die sich die Deutschen jenseits Europas am liebsten gar nicht mehr begeben wollen. „Deutschland ist das Gespenst der internationalen Beziehungen“, hat „New York Times“-Kolumnist Roger Cohen gerade geschrieben.

Clemens Wergin: Das Talent des Westens zur Selbstbeschädigung

Was ist bloß in die Bundeskanzlerin gefahren? Seit Tagen sagt sie, dass man die Giftgasangriffe von Syriens Machthaber Baschar al-Assad nicht hinnehmen dürfe. Dass ein solcher Vorfall geahndet werden müsse. Doch als sie jetzt auf dem G-20-Gipfel vor der Alternative stand, entweder einem begrenzten Schlag der USA gegen Assad zuzustimmen oder sich faktisch auf die Seite Wladimir Putins und gegen Barack Obama zu stellen, hat sie sich für Putin entschieden.

Bernd Ulrich: Der Tiefpunkt von Merkels Kanzlerschaft

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