Krasses Interview mit SPÖ-Bundesrat Stefan Schennach

Falter: Wie ist die Situation in den syrischen Flüchtlingslagern?

Stefan Schennach: Ich habe das Camp Al Zaatari, das dem UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR unterstellt ist, im Sommer zweimal besucht. Dieses Lager ist ein einziger Frauen- und Mädchensupermarkt. Dort werden Mädchen ab zehn Jahren verheiratet – allerdings auf Zeit. Da holen sich erwachsene Männer gegen eine gewisse Summe kleine Mädchen, die sie schnell heiraten, und nach drei oder vier Wochen bringen sie das Mädchen wieder zurück und holen sich ein neues.

Falter: Wer verkauft diese Kinder?

Schennach: Dieses Lager wird von Banditen kontrolliert. Das ist wie eine Stadt, in der Kriminelle regieren. In Al Zaatari, einem Lager mitten in der jordanischen Wüste, leben mehr als 160.000 Flüchtlinge aus Syrien. Allein die Straße, die um das Lager führt, ist acht Kilometer lang. Das Lager steht unter der Verwaltung des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR, aber in Wirklichkeit traut sich niemand hinein. Man kann nur zwischen zwei Stacheldrahtbereichen mit den Flüchtlingen sprechen. Als ich dort war, hat sogar so ein Trupp versucht, den UNHCR-Chef des Lagers zu entführen, um wieder etwas herauszupressen. Selbst das Militär geht nicht in den inneren Teil des Lagers hinein.

Falter: Die Banditen verkaufen diese Mädchen?

Schennach: Ja, zumindest organisieren sie den Handel. Teilweise verkaufen auch die Väter ihre Töchter, denn Mädchen sind in dieser Gesellschaft nichts wert. Jeden Abend werden die Kinder im Lager von diesen Banditen dazu genötigt, Steine gegen die Panzer der jordanischen Armee zu werfen. Diese Steinschlachten dauern bis zu zwei Stunden und sind nur dafür da, um von hinten die Frauen ungestört aus dem Lager rauszuschmuggeln und sie in die Bordelle zu führen. Die Bordelle in Amman sind mittlerweile voll mit syrischen Flüchtlingsmädeln.

Falter: Wer kauft diese Mädchen?

Schennach: Wer billige Mädchen will. Sie müssen sich vorstellen: Will ein jordanischer Mann heiraten, braucht er zumindest 2000 Jordanische Dinar, also etwa 2000 Euro für die Familie der Frau. Eine Flüchtlingsfrau oder ein Mädchen kriegt er ab 100 Dinar. Das ist der billigste Supermarkt, den es gibt. Eine Frau hat mir erzählt, dass mittlerweile sogar in Algerien Männer zu ihren Frauen sagen: „Wenn du nicht kuschst, hol ich mir eine syrische Flüchtlingsfrau.“ Das ist mittlerweile ein Running Gag unter Männern in der arabischen Welt. Doch auch die jordanische Politik ignoriert dies komplett.

Falter: Das heißt, es gibt einen gezielten Prostitutionshandel mit Flüchtlingsfrauen?

Schennach: Ja, und das nicht nur außerhalb des Lagers. Als ich Al Zaatari besuchte, gab es im Lager selbst bereits fünf Bordelle. Das gibt auch der UNHCR zu. Mir hat man ganz offiziell gesagt, es wurden drei Fußballplätze im Lager gebaut, damit die jungen Männer mehr Sport betreiben und nicht mehr so viel vergewaltigen. Es wird aber täglich vergewaltigt. Wir haben also einen massiven Missbrauch an Mädchen, wir haben eine unglaubliche Zahl an Vergewaltigungen. Krieg und Flucht sind immer brutal, speziell für Frauen und Mädchen. Aber wenn man dann wo ankommt, wo man glaubt, in Sicherheit zu sein, und dann kommt es zu solchen Übergriffen, führt das zu massiver Traumatisierung.

Das gesamte Interview mit Schennach hat der FALTER dankenswerterweise HIER online gestellt.

Dieser Beitrag wurde unter ZOMG veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.