Aufgeschnappt: Interview mit Ian Morris

Ian Morris (53 Jahre alt), gebürtiger Brite, ist Archäologe und Historiker an der Stanford University (USA). Tobias Hauser vom STANDARD führte mit ihm ein interessantes Interview: „Kriege haben zu einer friedlicheren Welt geführt“

STANDARD: Sind Kriege an sich sicherer geworden? Was die Opferzahlen betrifft, sind die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert an der Spitze der Statistik.
Morris: Das macht es Menschen auch schwierig, das größere Muster zu sehen. In totalen Todeszahlen sind moderne Kriege deutlich gewalttätiger als frühere. Der Zweite Weltkrieg hat, abhängig von der Zählweise, mindestens 50 Millionen und wahrscheinlich mehr getötet. Das sind mehr Menschen, als vor 10.000 Jahren auf der ganzen Welt gelebt haben. Aber heute leben natürlich sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Im gesamten 20. Jahrhundert sind zwischen 100 und 200 Millionen Menschen an Gewalt gestorben. Das sind ungefähr ein bis zwei Prozent aller Menschen, die im 20. Jahrhundert gelebt haben. In der durchschnittlichen Steinzeitgesellschaft starben zehn bis 20 Prozent an Gewalt. Je mehr wir uns die langfristige Geschichte ansehen, umso klarer wird, wie sehr sich die Rolle des Krieges verändert hat.
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STANDARD: Wo würden Sie sich persönlich einordnen im Spektrum zwischen Pazifismus und Militarismus?
Morris: Ich glaube nicht, dass die beiden so stark voneinander zu trennen sind. Die Möglichkeit, Krieg zu führen, ist so wichtig, wenn man Frieden schaffen will. Diese beiden Seiten haben immer zusammengehört. Akademiker vieler Richtungen sind zu dieser Schlussfolgerung gekommen, etwa Ökonomen und Biologen. Kooperation und Konflikt sind zwei Seiten derselben Medaille. Menschen können freiwillig zusammenarbeiten, oder jemand kann sie dazu zwingen.

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Aufgeschnappt: NZZ über Federer

2013 wird Roger Federer als Jahr in Erinnerung bleiben, in dem er das Verlieren wieder hat lernen müssen. (…) Die nüchternen Zahlen lassen im Prinzip wenig Interpretationsspielraum zu: Mehr verloren als in diesem Jahr hat Federer zuletzt 2002, dem Jahr vor seinem grossen Durchbruch in Wimbledon. Erstmals seit 2002 ist er auch aus den Top 4 der Weltrangliste gefallen. (…) Trotzdem erschreckte der blutleere Auftritt des Baslers. Er deutete an, dass seine Krise tiefer geht. Federer hat 2013 einen Gegner kennengelernt, den er zuvor nur vom Hörensagen kannte: den Zweifel. Er begegnete ihm mit Verleugnung. Statt hinzustehen und zu sagen: Ja, es stimmt, ich spiele schlecht und bin verunsichert, versuchte er, die enttäuschenden Resultate schönzureden oder – um seine Worte zu brauchen – als «lässige Erfahrung» darzustellen.

Daniel Germann in der NZZ: Federer ist gefangen in der eigenen Perfektion

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