Aufgeschnappt: Robert Treichler huldigt im Profil GTA V

Nicht dass Sie einen falschen Eindruck von mir bekommen: Ich lebe erstens in einem sozialen Umfeld (Bobo-grün-moralisch-prinzipientreu), in dem Autofahren prinzipiell als schändliche Aktivität gilt; und zweitens war mein Vater von Beruf Gendarm. Sozio-genetisch bin ich also halb Elektro-Fahrrad, halb StVO. Ich würde die 20-km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung in der Begegnungszone der neu gestalteten Wiener Mariahilfer Straße nicht einmal überschreiten, wenn ich in einem Testarossa 512 TR zu meiner Blinddarmnotoperation im AKH unterwegs wäre.
Anstelle eines Testarossa besitze ich ohnehin einen Familien-Van der Marke Opel mit der schwächstmöglichen Motorisierung, zusätzlich entschleunigt durch Dachträger und Beladung mit Familienmitgliedern und Freizeitgütern, sodass der PS-Wert pro Kilo nur noch knapp über dem eines Fiakers liegt.
Kurz: Ich bin eine Schnecke. Und zur Vervollständigung meines Fahrerprofils: Ich bin am Steuer außerdem eine weiche Semmel. Ich verzichte auf Vorrang, meide auf der Autobahn die dritte Spur und nehme Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer, sogar wenn sie ein Auto lenken, das doppelt so groß ist wie meines.
Aber, und das kommt jetzt vielleicht ein wenig überraschend: Ich fahre seit Kurzem gern Fußgänger nieder. Mal kurz über den Bordstein ausscheren und BAMM!, verschwindet so ein lächerlicher Zweibeiner unter dem Kühler und aus meinem Gesichtsfeld. Hören Sie ihn stöhnen? Ich schiebe zurück, da liegt er in einer Blutlache und windet sich. Was musste er auch blöd hier herumlatschen. Wird er wieder hochkommen? Egal, ich steige aufs Gas und rase weiter, bevor die Bullen kommen.

Robert Treichler mit einem wunderbaren Artikel über GTA V: Grand Theft Auto V: Das wichtigste Stück Popkultur 2013 im Test

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