Aufgeschnappt: Land der Berge, Land am Strome

Große deutsche Medienhäuser entsenden zwar nach wie vor Korrespondenten nach Wien, aber dieser Job wird in Hamburg, Frankfurt und München weniger als Erwerbstätigkeit denn als bezahltes Ehrenamt verstanden, als eine Art Redakteurs-Genesungswerk. Wenn man Deutsche fragen würde, welche Berufe die Österreicher Werner Faymann und Michael Spindelegger ausüben, würde große Ratlosigkeit herrschen. Skifahrer? Naturrodler? Ein Gesangsduo? Vieles ist denkbar, nur eines nicht: dass man nach auch nur einem einzigen Jahr in Deutschland noch halbwegs weiß, wer in der österreichischen Regierung sitzt – oder wegen eines Skandals bereits im Landesgericht für Strafsachen. Das heißt nicht, dass all das wurscht wäre – im Gegenteil. Österreich ist in den Augen der Welt dort angelangt, wo Italien schon länger ist. Es ist kein gutes Zeichen, dass man in Deutschland über österreichische Skandale lächelt. Es bedeutet, dass all die großartigen Menschen, Firmen, Ideen, die brillanten Schauspieler, Sänger, die aufrichtigen Journalisten und Bürger und auch die Politiker, die in der öffentlichen Sache wirken statt in der eigenen, dass all diese Menschen mit allem Drum und Dran nicht mehr ernst genommen werden. Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann – und es ist ungerecht, denn es gibt verdammt viele ganz großartige Österreicherinnen und Österreicher, die, die im Vakuum zwischen den Lagern leben. Aber das Elend ist: An der Macht sind immer die Nichtgroßartigen, die, die das Land zu Skandalien gemacht haben.

Wolf Lotter mit einem erschütternden, dennoch absolut lesenswerten Abgesang auf Österreichs Politische Ebene: Wie erklärt sich Österreich von außen?

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