Aufgeschnappt: AKP in der Krise?!

Als eine saubere, von Korruption unbefleckte Partei war die AKP einst gegründet worden. Die Abkürzung „Ak“ war kein Zufall, sie bedeutet „weiß“. Aber von Jahr zu Jahr nahmen die Klagen über Verfilzung und Korruption zu. Bauunternehmer profitierten von ihrer Nähe zum Ministerpräsidenten und seiner Umgebung. An sie gehen lukrative Staatsaufträge, sie erhalten Staatsland, das oft Naturschutzgebiet war, bevor es Bauland wurde. Die AKP ist, wie alle Regierungsparteien der Vergangenheit, der Macht verfallen. Nach elf Jahren an der Regierung macht sich der Verschleiß in einem erschreckenden Ausmaß bemerkbar. Ein weitsichtiges Gründungsmitglied der AKP hatte nach dem ersten Wahlsieg im November 2002 vorausgesehen, dass die Partei nach zehn Jahren am Ende ihrer Kräfte sein werde und es dann einer Neugründung bedürfe, um in der Türkei einen neuen Reformschub auszulösen. Eine solche Partei ist (noch) nicht zu erkennen.

Rainer Hermann in der FAZ: Erfolgspartei mit Grauschleier