Aufgeschnappt: Das Ende des World Wide Web

Plötzlich stand die ganze Welt offen. Es schien ein endloses Wachstum, das jeden erfasste. 2,7 Milliarden Menschen sind heute im Netz. Grenzenlose Märkte, grenzenlose Freundschaften – jeder konnte sich mit jedem vernetzen. Worldwide – das war das Lebensgefühl der Epoche, in der Fehlinger aufwuchs. In den Universitäten übten Studenten das Kontaktieren von Unternehmensführern, aus Pakistan twitterte ein Dorfbewohner die Gefangennahme bin Ladins an den Rest der Welt. In der Grenzenlosigkeit besteht der Wert des Internets. (…)Doch jetzt fällt das World Wide Web auseinander. Es zerbricht. Unternehmer und die Führer der sogenannten technischen Gemeinschaft sprechen von der «Fragmentierung» des Webs. (…) Auslöser dieses Alarmrufs und der derzeit stattfindenden Auflösungserscheinungen im Web sind die erschütternden Enthüllungen über die Spionagetätigkeiten des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Plötzlich wurde allen klar, wie begehrt unsere Daten im Internet sind. Sie sind Macht und Kapital zugleich. Nicht nur Unternehmen oder die NSA sammeln sie. Auch die Geheimdienste Chinas, Russlands, Nordkoreas oder Syriens schnüffeln hemmungslos im Netz. Es ist, als hätte die Welt plötzlich erkannt, dass alle nackt sind. Die Folge ist ein fataler Wettkampf von Staaten, Unternehmen und Privatpersonen mit ihren Überwachern. Wer kann, versteckt sich, flieht oder legt sich eine undurchdringbare Rüstung aus Verschlüsselungs-Algorithmen an. Das Internet, diese weltweite Gemeinschaft der Offenheit, zersplittert.

Absolut lesenswerter Artikel in der NZZ von Hannes Grassegger über die Zukunft des Internets und neue Entwicklungen im globalen Datenstrom: Staaten steigen aus dem Web aus

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