Aufgeschnappt: Goldene Morgenröte

Es ist nicht nur die Jagd auf Migranten, mit der die Partei von sich reden macht. Zur ersten Sitzung im Parlament betrat die Fraktion der „Goldenen Morgenröte“ den Saal in Zweierreihe in militärischem Gleichschritt. Einige Abgeordnete ließen sich bei dem – in Griechenland nicht verbotenen – Hitlergruß fotografieren. Ihr Vorsitzender schrie bei einer Veranstaltung die Parole „Blut und Ehre“ in die Menge. Seine Frau, ebenfalls Abgeordnete und außerdem in der europäischen Kommission für Gleichheit und Nicht-Diskriminierung tätig, spuckte einem Journalisten ins Gesicht und bezeichnete Immigranten während einer Sitzung als „Untermenschen“. Ein Mandatar, der für das Amt des Athener Bürgermeisters kandidiert, schlug vor laufender Kamera mehrmals auf eine linke Politikerin ein, ein weiterer erklärte, Griechenland sei eine Mülldeponie, auf dem die Welt ihren „Abschaum“ ablade – womit er unmissverständlich Migranten meinte. (…)
Was würde er als Erstes tun, wenn er tatsächlich Gouverneur von Attika werden sollte? „Gleich eine ganze Menge auf einmal“, antwortet Ilias Panagiotaros, der Kunstgeschichte studiert hat und ein Geschäft für Militärbekleidung führt, in fließendem Englisch: „Die Grenzen schließen. All jene bestrafen, die illegale Migranten bei sich verstecken oder ihnen Wohnungen vermieten. Alle wirtschaftlichen Verträge überprüfen lassen, die Griechenland in den vergangenen 20 Jahren abgeschlossen hat. Unserem Land die Priorität geben und eine Diskussion mit der EU anfangen.“ Hinter ihm taucht die untergehende Sonne die Stadt in ein warmes, bernsteingelbes Licht.

Anna Giulia Fink: Goldene Morgenröte

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