Johann Westhauser

Und für all diejenigen, die jetzt leichtfertig von der Couch aus die Kostenfrage stellen:

Doch warum steigt einer überhaupt so tief hinab in ein finsteres, enges Loch? Muss man überhaupt so ein Risiko eingehen? Wäre es nicht von Anfang an sicherer gewesen, oben zu bleiben, am Licht? Klar wäre es das. Aber Johann Westhauser ist kein Tourist, keiner, der aus purem Leichtsinn in den Schacht gekraxelt ist und sich den Fuß verknackst hat, weil er dummerweise Turnschuhe trug. Nein, Westhauser ist Forscher – und verkörpert mit diesem Beruf eine weitere konstituierend menschliche Eigenschaft: die Neugierde. Als Westhauser in die Riesending-Schachthöhle stieg, war er im Auftrag der Menschheit unterwegs.

Denn was macht den Mensch zum Menschen? Dass er wissen will. Würde die Menschheit sich dazu entschließen, keine Höhlen mehr zu erforschen, nicht mehr in die Meere zu tauchen und den Weltraum Weltraum sein zu lassen, weil das alles zu gefährlich und zu teuer ist – sie hätte vielleicht ein bequemes, sicheres Leben in Wärme und Licht. Aber tatsächlich hätte sie sich damit in eine tiefe Höhle gelegt: zum Sterben.

Stefan Kuzmany: Die Kosten der Menschlichkeit

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