Aufgeschnappt: Gabalier und die Hymne

Und kein Wunder, dass auch Strache auf die Hymnen-Frage reagierte. Es brauchte nicht mehr als das Schreiben der Grünen Frauen als mit Rotstift korrigiertes PDF via Facebook zu verbreiten, um sich in der Sache unmissverständlich zu positionieren. Bierzelt-Witzeleien über die „GrünInnen“ gehörten schon bisher zu seinem rhetorischen Repertoire. Künftig ist die Erzählung über den weltfremden politischen Gegner um eine Schenkelklopfer-Anekdote reicher.
Dieser sollte sich bewusst sein, dass die vorwärtsdrängende ideologische Speerspitze der Grünen dem Mainstream der Gesellschaft mindestens genauso schräg aufstößt wie Straches deutschtümelnde Fechtkameraden. Der politisch desinteressierten Mehrheit, gerade den Modernierungs- und Bildungsverlierern und den von Abstiegsängsten geplagten männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (das Hoheitsgebiet der FPÖ) ist es herzlich wurscht, ob Gabalier die Töchter „eh mitgemeint“ hat oder nicht. Das muss man freilich nicht hinnehmen. Sollte aber zumindest bedacht werden. (…)
Künstlerische Freiheit hat ohnehin für alle zu gelten. Auch für diejenigen, die Inhalte vertreten, die einem selbst nicht oppurtun erscheinen. Manchmal darf man Dummheit und Ignoranz ganz einfach auch selbst ignorieren.
Mir sind die Grünen jedenfalls sympathischer, wenn sie sich – wie früher – gar nicht um nationalstaatliche Repräsentation scheren und von mir aus die Flagge mit Füßen treten als wenn sie versuchen, sich umerzieherisch als die besseren Patrioten zu positionieren.

Thomas Weber: Gabaliers Schließmuskel

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