Aufgeschnappt: Elfenbein-Dilemma in Afrika

Laut den Vereinten Nationen profitieren in jüngster Zeit zunehmend internationale Verbrecher- und Terroristenbanden vom Handel mit Nashorn und Elfenbein; die somalische Al-Shabaab-Miliz, die ugandische „Lord’s Resistance Army“, die sudanesischen Janjaweed-Milizen. All dies summiert sich zur schwersten Wildereikrise in Afrika seit Jahrzehnten, und es bringt in vielen Regionen des Kontinents Elefanten und Nashörner an den Rand der Vernichtung. Mehr als 1000 Nashörner wurden 2013 gewildert, bei insgesamt nur etwa 25 000 Tieren. Und wenn die Elefantenwilderei so weitergeht, könnte in zehn Jahren ein Fünftel der Herden in Afrika ausgelöscht sein, befürchtet die internationale Naturschutzorganisation IUCN – zuletzt wurden jährlich geschätzt 30 000 Elefanten gewildert. Schon jetzt verschwinden die Tiere mancherorts. Im Kilombero-Schutzgebiet in Tansania etwa hatte man 2002 noch mehr als 2000 Elefanten gezählt. Ende 2013 sollte wieder gezählt werden. Das scheiterte daran, dass sich kein einziger Elefant mehr fand, den man hätte zählen können. (…) „Auf die Dauer hilft nur Aufklärung“, sagt er: „Irgend jemand muss die Asiaten ein für alle mal davon überzeugen, dass Nashornpulver kein Aphrodisiakum enthält.“ Bis dahin blieben nur kompromissloses Vorgehen und am besten noch schärfere Strafen: lebenslange Haft für jeden, der sich der Wilderei schuldig macht; ohne – wie bisher – die Möglichkeit, sich durch eine Geldstrafe freizukaufen. „Ich weiß, das würde die Menschenrechtsgruppen bei euch in Europa wieder auf die Palme bringen“, sagt er. „Aber die Jungs, mit denen wir hier zu tun haben, lassen sich durch gutes Zureden nicht beeindrucken.“

Tobias Zick und Marlene Weiss in der SZ: Jäger und Gejagte

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